Ausverkauft oder Auslaufmodell – Für Festivals sind die fetten Jahre vorbei
Von Samira Straub, SWR Kultur – Übernahme von tagesschau.de
Volle Felder am Nürburgring, leere Kassen anderswo: Der Festivalsommer 2026 zeigt, wie sich die Branche zwischen Boom und Strukturkrise neu erfinden muss.
Im vergangenen Jahr verabschiedete sich mit dem Rocco del Schlacko eines der bekanntesten Festivals in Südwestdeutschland nach 26 Jahren. Auch bei Großveranstaltungen wie dem Metal-Mekka Wacken Open Air oder den beiden Schwesterfestivals Hurricane und Southside ist ein Ausverkauf bislang nicht in Sicht.
Die wirtschaftliche Lage beschreibt der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) als „angespannt“. Die Produktionskosten seien seit der Pandemie „um rund 50 Prozent gestiegen“. Ticketpreise hätten dagegen „nur um etwa 30 Prozent“ erhöht werden können. Besonders drastisch sei die Entwicklung bei Künstlergagen, die sich „in Teilen sogar verdreifacht“ hätten. Die Kosten steigen schneller als die Zahlungsbereitschaft des Publikums.
Jamel Rockt den Förster – Symbolfiguren für Zivilcourage: Ehepaar Lohmeyer mit Aachener Friedenspreis geehrt
Der Aachener Friedenspreis ist in diesem Jahr unter anderem an Birgit und Horst Lohmeyer für ihr Festival „Jamel rockt den Förster“ gegangen. Trotz zahlreicher Angriffe und Bedrohungen stelle sich das Ehepaar aus Jamel im Landkreis Nordwestmecklenburg mit dem Musikfestival seit 2007 gegen den Rechtsextremismus vor seiner Haustür, teilte der Friedenspreis-Verein in Aachen mit.
„Was in Jamel geschieht, betrifft uns alle“, betonte Ahadi. Rechtsextreme würden gezielt in Dörfern eigene Strukturen schaffen und Einschüchterung verbreiten.
Bargeldlose Festivals – Verbraucherschützer mahnen Veranstalter ab – Viele Festivals sind bargeldlos: Besucher können nur mit Chip zahlen, den sie aufladen müssen. Das generiert Zusatzkosten, Restguthaben werden oft einbehalten.
Sommer ist Festivalzeit. Konzertveranstaltungen wie Rock am Ring, Nature One, Fusion Festival, Parookaville oder das Wacken Open Air umwerben Freunde von Musikerlebnissen unter freiem Himmel. Immer häufiger benötigen Besucher dabei Bezahlchips am Handgelenk, mit denen sie auf dem Festivalgelände etwa Essen und Getränke kaufen können. Verbraucherschützer sehen dabei ein Problem jenseits der Verdrängung von Bargeld: Mehrere Veranstalter verlangen ihnen zufolge für den Einsatz der Chips unzulässige Entgelte.
Was aus Trotz und Widerstand gegen Rechts begann, ist inzwischen auch zu einer schönen Tradition geworden: Das kleinste aber wichtigste Festival Deutschlands feiert 15-Jähriges – Jamel rockt den Förster! *Bela B.