Das Norman Beaker Trio zweimal in Top-Form im Kulturrestaurant Dicke Paula, Berlin

Das Norman Beaker Trio zweimal in Top-Form im Kulturrestaurant Dicke Paula, Berlin – Gefeiert haben Eve und der ALTAMANN ja schon einmal mit dem britischen Blues-Gitarristen Norman Beaker im Kulturrestaurant Dicke Paula, nach einem Konzert in der Hafenbar Tegel, aber nun stellte er bei zwei Konzerten am ersten Mai-Wochenende auch sein außergewöhnliches Können vor Ort unter Beweis.

Norman Beaker im Kulturrestaurant Dicke Paula, Berlin. 1. & 2. Mai 2026
Norman Beaker im Kulturrestaurant Dicke Paula, Berlin. 1. & 2. Mai 2026

Und dabei zeigte das Norman Beaker Trio am 1. und 2. Mai 2026 bei strahlendem Sommerwetter, wie lebendig, humorvoll und musikalisch tief ein Blues‑Konzert in kleinem Rahmen sein kann, wenn drei absolute Könner auf engstem Raum spielen. Norman Beaker und seine Mitstreiter haben Berlin‑Tegel an diesen zwei Abenden nicht einfach nur bespielt – sie haben den Raum in einen regelrechten Juke Joint verwandelt.

Das Kulturrestaurant Dicke Paula war am zweiten Abend wieder bis kurz vor knapp gefüllt und gerade als man dachte, es passe kaum noch jemand hinein, tauchten zwei „Nachzügler“ auf – ohne Reservierung, aber mit einer ordentlichen Portion Hoffnung im Gepäck.

Und tatsächlich: Sie hatten Glück. Oder, wie Gina – der Wirbelwind, das Herz und der unverwechselbare Tornado der Dicken Paula – es formulierte, als die beiden fragend vor ihr standen: „Da habt ihr aber Dusel gehabt – zwei Stühle sind noch frei, und das ganz vorne!“

Mit einem breiten Grinsen und einer einladenden Geste bugsierte sie die beiden direkt in die erste Reihe, als hätte sie die Plätze persönlich für sie freigehalten. Ein perfekter Start in einen Abend, der ohnehin schon nach guter Musik und bester Laune in der ganzen Location roch.

Norman Beaker eröffnete mit einem klassischen Mid‑Tempo‑Groove, der sofort zeigte, warum er zu den britischen Blues‑Legenden zählt. Sein Gitarrenton: warm, klar, nie überladen. Sein Spiel: ist melodisch, präzise, erzählerisch und tief im klassischen Blues verwurzelt, ohne je altmodisch zu wirken.

Er spielt mit Herz, nicht mit Ego – eine Mischung aus britischem Blues‑Feeling, amerikanischer Tradition und seiner ganz eigenen, leicht verschmitzten Art, Melodien zu formen. Kein Wunder das er neben Ronnie Wood, Jeff Beck, Eric Clapton, Mick Taylor, Jimmy Page, Peter Green, Robin Trower und anderen zu den einflussreichsten britischen Blues‑Gitarristen der vergangenen fünf Jahrzehnte zählt.

V.l.n.r.: Rita Kalkowski, Kalle Kalkowski, Gudrun Schwarz, Hans Reißner, Gina Kahl-Reißner, Thomas Marohn, Norman Beaker, Nebojša Petrović, Marco Mattietti und Jan Kalc
V.l.n.r.: Rita Kalkowski, Kalle Kalkowski, Gudrun Schwartz, Hans Reißner, Gina Kahl-Reißner, Thomas Marohn, Norman Beaker, Nebojša Petrović, Marco Mattietti und Jan Kalc

Die Besatzung im Maschinenraum kommt aus Triest / Italien

Der Bass, gespielt vom souveränen Jan Kalc, erwies sich als die stabile Basis des Abends. Mit präzisem Anschlag und druckvollem, zugleich angenehm unaufdringlichem Ton legte er ein Fundament, auf dem sich der gesamte Sound des Trios sicher entfalten konnte. Seine Linien wirkten nie überladen, sondern bewusst gesetzt – warm, rund und mit einer Präsenz, die den Raum füllte, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Besonders in den langsameren Stücken zeigte Kalc, wie viel Ausdruckskraft in wenigen, sorgfältig platzierten Noten liegen kann.

Parallel dazu prägte der unglaublich gut aufgelegte Marco Mattietti am Schlagzeug das Klangbild mit einer bemerkenswerten Mischung aus Leichtigkeit und Entschlossenheit. Sein Spiel verband die federnde Eleganz eines klassischen Shuffles mit der Direktheit eines modernen Rock‑Grooves. Jeder Schlag saß, jeder Akzent war klar formuliert. Mattietti verzichtete konsequent auf dekorative Spielereien und konzentrierte sich statt dessen auf das Wesentliche: Präzision, Timing und ein feines Gespür für Dynamik und den Moment. Sein energiegeladenes, aber stets kontrolliertes Spiel verlieh dem Abend eine spürbare rhythmische Spannung, die das Publikum mitriss – besonders bei seinen Soli.

Schon nach den ersten drei Songs zeichnete sich ab, wohin die Reise ging: Dieses Trio war nicht nach Berlin gekommen, um ein Set routiniert herunterzuspielen. Sie wollten erzählen – im Duktus des Blues, mit seinen Wendungen, Brüchen und kleinen Wahrheiten zwischen den Zeilen. Darauf hatten sie Lust, und genau das ist ihnen an beiden Abenden gelungen.

Die typische Mischung aus Kiezpublikum, Blues‑Kennern, Musikern und neugierigen Erstbesuchern in der „Paula“ sorgte für eine warme und familiäre Stimmung. Die Bühne – klein, aber akustisch erstaunlich klar – passte perfekt zum Trio. Keine Distanz, keine Barriere: Man war mitten drin.

Seine Stimme trägt Balladen ebenso wie die härteren Nummern

Zwischen den Songs zeigte Beaker seinen typischen britischen Humor. Er erzählte Anekdoten aus über 50 Jahren Tourleben und manchmal nicht ganz jugendfreie Witze, kommentierte spontan das Berliner Publikum und schaffte es, selbst winzigste technische Kleinigkeiten mit einem Lächeln zu überspielen. Einen der Witze, den mit dem „Bier ohne Alkohol ist wie…“, hat sich der ALTAMANN sogar gemerkt, aber den behält er an dieser Stelle lieber für sich.

Marco Mattietti hebt ab - Das Norman Beaker Trio im Kulturrestaurant Dicke Paula am 1. & 2. Mai 2026
Marco Mattietti hebt ab – Das Norman Beaker Trio im Kulturrestaurant Dicke Paula am 1. & 2. Mai 2026

Die Stimme Beaker`s – leicht rau, aber warm – trug die Balladen ebenso überzeugend wie die härteren Nummern. Besonders beeindruckend war, wie mühelos er zwischen Gesang und Gitarrensolo wechselte, ohne dass ein Moment an Energie verloren ging.

Die letzte Nummer ein „La Grange Plus“– ein energiegeladener Blues‑Rock‑Titel – brachte noch einmal alles zusammen, was diesen Abend ausmachte: Spielfreude, Virtuosität, Humor und eine Nähe zum Publikum, die man in größeren Venues kaum noch erlebt. Es waren eben zwei Abende, die man nicht plant, sondern erlebt.

Das waren Konzerte, die eindrucksvoll vor Augen führten, warum das Norman Beaker Trio seit Jahrzehnten zu den verlässlichsten Größen des internationalen Blues gehört. Keine Nostalgie, kein Abspulen – sondern lebendige, pulsierende Musik, die atmet, lodert und im Hier und Jetzt ihre volle Kraft entfaltet. Und ein Hinweis darauf, dass sich das Kulturrestaurant Dicke Paula langsam, aber sicher zu einem der charmantesten und musikalisch spannendsten kleinen Kulturorte Berlins zu mausern scheint.

Ein ganz besonderer Dank gilt Nebojša Petrović von der Agentur Rock Svirke, der diesen Event möglich gemacht hat.

Unter den sachkundigen Musikfreunden an diesem Abend fanden sich auch Gudrun Schwartz, Petra Sühring‑Vaughan, Rita und Kalle Kalkowski (Kalkowski und Die Elektrische Männerwelt), Christian Strehlow (Fotograf), Melanie Schley (More Town Soul) sowie AJ Hale (Joris Hering Band und Norman Beaker Tourband). Entsprechend lebhaft waren die Gespräche – über die Musik im heutigen Berlin, über das alte West‑Berlin und seine musikalischen Akteure und über die weit verzweigten musikalischen Linien, die von dieser Stadt seit Jahrzehnten in die ganze Welt hinausführen.

Alle Bilder von E.Sperling & Mario Sperling für ALTAMANN.com & Christian Strehlow | Fotografie

Zur Webseite des Künstlers » » https://www.normanbeaker.com

Zur Webseite Kulturrestaurant Dicke Paula » » https://dicke-paula.de

Zur Rock Svirke Agency » »https://www.rocksvirke.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

captcha
Neu laden

Please enter the characters shown in the CAPTCHA to ensure that you are human.